Institut für Neue Technische Form

Kunst und Gestaltung, Kleinserie und Industrieprodukt


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Neue Ausstellung

Verlängert bis 11. März 2017

Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag 11 bis 18 Uhr

Sonntag 11 bis 13 Uhr


    Produktgestaltung: Fernseher

    Vom Verschwinden der dritten Dimension
  

Das Darmstädter Gespräch Mensch und Technik war 1952 Ausgangspunkt für die Gründung des Instituts für Neue Technische Form. Hier fand ein bedeutendes interdisziplinäres Gespräch zwischen Wissenschaftlern, Unternehmern, Architekten und Politikern statt. Begleitet wurde dieses Geprächsforum von einer sehr wirksamen Ausstellung, die Themen wie neue Werkstoffe, neue Technologien und Fragen der Formgestaltung behandelten. Seit dieser Zeit hat das Thema „Mensch und Technik“ das Institut permanent begleitet. So ist es naheliegend, dass das Institut sich mit den technischen Umwälzungen in der Telekommunikation befasst.

Das Fernsehen machte aus dem Kreis der Familie einen Halbkreis. (Rolf Haller)

Die Ausstellung zeigt 60 Jahre Produktgestaltung am Beispiel von Fernsehgeräten.

Keine andere Erfindung hat unsere Gesellschaft verändert wie die Erfindung des Fernsehens. Mit ihr begann das moderne Kommunikationszeitalter. In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg waren es zuerst Fernseher in Gaststätten und Dorfsälen, die die neue Technik populär werden ließen. Im Dezember 1952 gab es erst 300 Apparate in der BRD. Als die ersten Geräte in die Privathaushalte einzogen, wurde neben der Technik auch die äußere Gestaltung ein wichtiges Verkaufsargument.

Die Entwicklung der modernen Formgebung des Produkts Fernseher stellt einen designhistorisch relevanten Teil unserer Sammlung dar. Bei frühen Geräten wurde das Material Bakelit für das Gehäuse verwendet. Aber erst die Verwendung von modernen Kunststoffen führten zur Entwicklung der Formensprache und zur Erweiterung des Farbenrepertoires. Die fortschreitende Entwicklung der Transistorentechnik erlaubte die Herstellung tragbarer Kleinstgeräte. Doch bestimmt bis zu Beginn des 21. Jahrhunderts die Verwendung von Bildröhren die bauliche Tiefe der Geräte. Die Erfindung des Liquid Crystal Displays (LCD) veränderte dann die Proportion und das Erscheinungsbild des Fernsehers. Aber der Verlust der dritten Dimension lässt auch die gestalterische Tiefe heutiger Flachbildschirme schwinden.

Gezeigt wird, wie in Deutschland Firmen wie Braun mit ihren Entwerfern Dieter Rams, Hans Gugelot und Herbert Hirche, Wega mit dem Frog-Gründer Hartmut Esslinger und Loewe mit dem eigenen Design-Team und Andreas Haug (Phoenixdesign) Maßstäbe im Design setzten. In Italien waren die Entwürfe von Richard Sapper, Marco Zanuso und Mario Bellini für Brionvega und Rodolfo Bonetto für Autovox und Voxson wichtig, während in Japan die hausinternen Designteams von Sony, Matushita Electric Industrial, Samsung und JVC, in Dänemark von Bang und Olufsen und in den Niederlanden von Philips das Firmendesign bestimmten. Parallel werden Geräte von namhaften, international tätigen Entwerfern wie Roger Tallon, Luigi Colani, Philippe Starck, Alexander Neumeister, Toshijuki Kita oder Phoenix Design gezeigt, die der Gestaltung von Fernsehgeräten ein hohes Maß an Innovation brachten. Sie entwickelten ganz individuelle Interpretationen des Themas Fernseher.

Das Design von Fernsehern wurde auch von Moden und Zeitströmungen beeinflusst. Zu sehen sind Geräte im Military-Look der 70er Jahre, Fernseher in Form von Astronautenhelmen und Kugelfernseher sind von der Weltraumfahrt und Science-Fiction inspiriert, und der Retrostil zitiert immer wieder die Formensprache vergangener Jahrzehnte. Die organischen Formen eines Luigi Colani stehen der technisch-rationalen Zurückhaltung des Monitordesigns gegenüber. Systemdesign verbindet gestaltend Fernseher mit Zusatzgeräten wie Videorekordern und Stereokomponenten, richtungsweisend war hier schon früh die Firma Braun in Zusammenarbeit mit der hfg ulm. Ein Gerät von Bang und Olufsen spielt mit dem Thema Heimkino: Ein eingebauter Vorhang öffnet sich beim einschalten. Gesetze zur Rücknahme von Elektroaltgeräten führten zur Entwicklung eines Fernsehers (JimNature) der so ganz versucht, auf die Ökosituation mit einem Gehäuse aus Pressspan einzugehen.

Mit Design wurde und wird in der Branche intensiv geworben, aber gerade die Röhrenfernseher sollten auch ausgeschaltet gut aussehen. So wirken einige Geräte wie Skulpturen oder Monolithe. Gestalterporträts mit Entwurfszeichnungen und Modellen ergänzen die Ausstellung. Exemplarisch wird die Entwicklung der Fernbedienungen dargestellt. Gezeigt werden Entwurfsskizzen zur Gestaltung von Fernsehern, Filme über den Entwurfsprozess von Philippe Starck, über einen Workshop bei Philips in Eindhoven mit jungen internationalen Designern über die Zukunft des Fernsehens, über Nachrichten, Information und Dokumentation verschiedener Fernsehanstalten. Geräte der heutigen Flachbildschirmgeneration mit differenten Gestaltungsansätzen bilden den Abschluss.

Fernsehen via Internet auf Computern und Smartphones ersetzt die Notwendigkeit eines eigenen Geräts. So könnte das klassische Fernsehgerät wie die Schreibmaschine zu den „Verlorenen Objekten“ in der Designgeschichte werden. Wir glauben, es ist jetzt der ideale Zeitpunkt, in einer Ausstellung das Thema Informationstechnologie zu zeigen, da in der klassischen Telekommunikation durch die Erfindung der Flüssigkristalle der Flachbildschirm realisiert wurde.

Förderer des Ausstellungsprojekts

Merck’sche Gesellschaft für Kunst und Wissenschaft

Dieter und Ingeborg Rams Stiftung

Prinz Ludwig Stiftung

Bürgerstiftung Darmstadt

Sparkasse Darmstadt