Institut für Neue Technische Form

Kunst und Gestaltung, Kleinserie und Industrieprodukt


Inhalt

Aktuell
Der Verein
Ziel
Sammlung
Die Ausstellungen
Publikationen
Material
Kontakt
Impressum

Aktuell


DAdesign

entwickelt | gestaltet | produziert
in Darmstadt

Zur Vernissage möchten wir Sie und Ihre Freunde
ganz herzlich einladen.

Eröffnung: Sonntag, 19. Mai 2019, 12 Uhr


  

Plakat der Ausstellung


Ausstellung
21. Mai bis 30. Juni 2019

Öffnungszeiten
Dienstag bis Samstag 11 bis 17 Uhr
Sonntag 11 bis 14 Uhr

Geschlossen
30. Mai bis 2. Juni 2019
Pfingstsonntag 9. Juni 2019
Fronleichnam 20. Juni 2019

 




INTeF-Designschnipsel

Wir erinnern an den bedeutenden deutschen Industriedesigner Heinrich Löffelhardt, der am 24. Dezember 1901 in Heilbronn geboren wurde. Für den gelernten Bildhauer waren Gefäße wie handwerklich modellierte Plastiken.


Ess-, Tee- und Kaffee-Service, Trinkgläser, Krüge, Schalen, Platten, Flaschen, Vasen, Ascher: Heinrich (Heinz) Löffelhardt prägte das Erscheinungsbild von Gebrauchsformen aus Glas und Porzellan von den Fünfzigerjahren bis zum Ende der Sechzigerjahre. Seine zeitlos schönen Entwürfe für Arzberg und Schott-Zwiesel, die sich durch Einfachheit, Klarheit, Eleganz und Funktionalität auszeichnen, werden bis heute hergestellt. Der studierte Bildhauer war seinerzeit hinsichtlich nationaler wie internationaler Designauszeichnungen und erzielter Verkaufszahlen seiner Gegenstände der erfolgreichste Formgeber in der deutschen Porzellanindustrie.

Schalen und Teller 3001 Kristall glatt, Foto Willi Moegle

Nach dem Abitur 1920 ließ sich „Lö“ bei der Heilbronner Silberwarenfabrik Peter Bruckmann & Söhne ausbilden, dessen Seniorchef ihm durch ein Stipendium ermöglichte, ab 1924 bei Georg Kolbe in Berlin Bildhauerei zu studieren. Der junge Bildhauer kehrte als freier Entwerfer zur Industrie zurück und entwickelte ab 1934 im Auftrag des Amtes „Schönheit der Arbeit“ Kantinengeschirre, die unter anderem von Gebr. Bauscher und den Keramischen Werken Bohemia in Neurohlau gefertigt wurden. 1937 lieferte Rosenthal das von ihm gestaltete Teeservice 700 „Schönheit der Arbeit“ an den Reichsarbeitsdienst. Charakteristisch waren der zwiebelförmige, glatte Kannenkörper mit fingerbreitem Halsring, die geschweifte Röhrentülle und der Bandhenkel. Die Rosenthal-Tochter Thomas brachte den Entwurf „Barb“ in den Handel. 1937 verpflichtete Wilhelm Wagenfeld Löffelhardt als Mitarbeiter der Vereinigten Lausitzer Glaswerke in Weißwasser. Vier Jahre später wurde er zur Wehrmacht eingezogen und kehrte erst 1947 aus sowjetischer Gefangenschaft zurück. Weil sich in der Wirtschaft wenig Aussichten boten, folgte er Wagenfeld nach Stuttgart und wurde 1949 im Referat für Formgebung des Landesgewerbeamtes tätig, wo er nach Wagenfelds Ausscheiden dessen Nachfolger wurde. Sein besonderes Verdienst war es, mit Ausstellungen und Publikationen der heimischen Industrie nach Jahren der Isolation den Anschluss an internationale Standards zu erleichtern. Gleichzeitig entwarf er wieder für die Industrie: Für die Sicherer’sche Apotheke in Heilbronn entwarf Lö Standgefäße; die Gral-Glaswerkstätten Göppingen produzierten seine Stapelascher. Ende 1952 wurde er künstlerischer Leiter der Porzellanfabriken Arzberg und Schönwald und damit verantwortlich für das gesamte Sortiment. Das Design beider Unternehmen war untrennbar mit dem Namen Hermann Gretsch verbunden, dessen „zeitlos moderne“ Linie weiterfortgeführt werden sollte. Heinz Löffelhardt entwickelte 1954/55 drei Modelle (Arzberg 1542, Arzberg 2000, Schönwald 411), die sich an Gretschs Vorkriegsentwürfen orientierten, aber mit einem eleganten Schwung daherkamen.


Schalensatz 1100 für Arzberg, ausgezeichnet mit dem Grand Prix der XII. Trienale in Mailand, Foto Willi Moegle

1960 kamen die Stapelschalen Arzberg 1100 auf den Markt, deren präzise, rechteckige Formen besondere technische Forderungen an die Produktionsabteilung stellten. Die Idee, mit nur wenigen Teilen durch unterschiedliche Kombinationen eine Vielzahl von Einsatzmöglichkeiten zu schaffen, war neu und bewährt sich bis heute. Bei seinem letzten Entwurf, Arzberg 2007 Residence, kehrte Löffelhardt 1969 zu organischen Formen zurück. Über zwei Jahrzehnte bestimmte dieser Formgeber das gesamte Erscheinungsbild der produzierten Geschirre und Geschenkartikel. Sämtliche Entwürfe von Löffelhardt hat Willi Moegle in beeindruckenden Sachfotografien festgehalten. Ab 1954 war Heinz Löffelhardt für die Formgebung des Jenaer Glaswerks Schott & Gen. in Mainz verantwortlich, einschließlich des Tochterunternehmens Vereinigte Farbenglaswerke Zwiesel. Als Designer hatte er Wagenfeld abgelöst, was zu einem Streit zwischen den beiden führte. Löffelhardt ersetzte Wagenfelds Entwürfe durch ein „moderneres“ Programm, sowohl im Bereich des geblasenen Glases (Teegeschirr) wie des Pressglases (Backformen). Die gläserne Teekanne von Löffelhardt wurde von der US-Zeitschrift Fortune 1977 zu den 25 besten Designleistungen der Gegenwart gezählt. Mit Hans Erich Slany formte er 1958 für Zeiss Ikon die Kompaktkamera „Zeiss Ikonette“, eine der ersten Kameras mit Kunststoffgehäuse. 1959 wurde Löffelhardt in den Aufsichtsrat des Arzberger und Schönwalder Mutterkonzerns Kahla berufen, 1963 dann auch in den Aufsichtsrat der Vereinigten Farbenglaswerke. 1971 schied er wieder als künstlerischer Leiter der Unternehmen aus und 1977 endete auch seine Arbeit für Schott-Zwiesel. 1976 erhielt Heinrich Löffelhardt die Ehrenmitgliedschaft im Verband Deutscher Industrie Designer, 1978 wurde er zum Ehrensenator der Stuttgarter Akademie der Künste gewählt. Heinrich Löffelhardt starb am 22. Mai 1979 in Stuttgart.

Informationen unter anderen aus: Carlo Burschel (Herausgeber) „Heinrich Löffelhardt“, Industrieformen der 1950er bis 1960er Jahre aus Porzellan und Glas – die Gute Form als Vorbild für nachhaltiges Design, Verlag H. M. Hauschild GmbH, 2004


Institut für Neue Technische Form (INTeF), Friedensplatz 11, 64283 Darmstadt